Ich träume in blau und weiß


 

As she let go of adventures not meant for her

She was brought new ones

Aligned with her magic – spirit daughter

"Ich wäre eine gute Nomadin gewesen"

 

Loslassen war und ist nicht meine Stärke. Genau so wenig stürze ich mich kopflos in neue Dinge. Seien es Bekanntschaften, neue Projekte oder Liebschaften. Versteht mich nicht falsch. Ich liebe Neubeginne. Ich liebe es etwas Neues zu kreieren, neue Seiten zu entdecken – sowohl neue Seiten an mir als auch an anderen. Wie schön es ist, neue Fleckchen auf der Welt zu riechen, fühlen und zu sehen. Auch andere dazu zu bringen etwas Neues auszuprobieren. Zu beobachten, wie sie ihre Comfort Zone verlassen und ihr Bewusstsein ausdehnen. Dinge starten - das liegt in meiner Natur. Die Betonung liegt daher auf dem „kopflos“. 
Nein, ich bin keine ängstliche Person, die an alten Dingen festhält, weil sie Angst vor einer ungewissen Zukunft hat. Im Gegenteil. Ich habe kein Problem damit meine Zelte abzureißen, immer wieder weiterzuziehen und neu anzufangen. Ich wäre eine gute Nomadin gewesen. Womit ich aber ein Problem habe, ist diesen Prozess nicht selbst bestimmen zu können. Und weil das Leben uns lernt, dass Loslassen nicht immer aus dem eigenen Wunsch heraus passiert, bin ich vorsichtig geworden. Besonders in Hinblick auf Menschen, die ich in mein Leben lasse. Und daraus resultierend fällt es mir wahnsinnig schwer, Leute, die ich in mein Herz geschlossen habe, tatsächlich voll und ganz gehen zu lassen.

"Oder wie spielt für euch das Spiel des Lebens?"

 

Wenn ich mich dazu entscheide mit einem Menschen in Beziehung zu treten, ist sie nämlich da die „Ich-schmeiße-mich-da-voll-rein"-Attitüde. Zumindest ist sie wieder da. Nach Jahren von Schutzmauern und „Ahhh-neee-ich-brauch-dich-ja-gar-nicht-in-meinem-Leben“-Verhaltensmustern. Denn beim „Inbeziehungtreten“ gibt es für mich keine halben Sachen. Weder bei Freundschaften noch in der Liebe. Wenn ich mich mit dir auseinandersetze, dann richtig. Und wenn diese Intensität eine gewisse Zeit anhält, dann nistest du dich immer tiefer und gemütlicher in mein Herz ein. Wie wenn du dich in eine kuschelige Decke einwickeltest und dich in deine liebste Ecke auf dem Sofa kuschelst. Genau so. Und jetzt sage mir, wie ich dich dann wieder einfach so gehen lassen soll? Du hast doch einen festen Platz in meinem Herzen eingenommen. So wie ein Stein in einem Jenga Spiel. Löst du dich nun aus dem verworrenen Konstrukt, dann wird es ganz schön wackelig. Im schlimmsten Fall stürzt der Turm sogar ein. Und das lässt sich auch auf Überzeugungen und Ansichten übertragen, die wir uns angeeignet haben und loslassen wollen. Oft frage ich mich, wieso Loslassen für andere so viel einfacher ist. Wird dann einfach von Jenga zu Memory gewechselt? Oder wie spielt für euch das Spiel des Lebens?

 

Vor meiner Reise nach Peru wurde mir eine Aufgabe mitgegeben: Beobachte genauer. Beobachte welche Gedanken in dir hochkommen. Beobachte deine Träume. Beobachte dein Umfeld. Welche Synchronitäten begegnen dir? Entdeckst du vielleicht sogar Zufälle, die keine sein können? Glaubst du an Magie? Glaubst du an Schicksal?

Während ich mich mit diesen Fragen mehr und mehr auseinandersetze und mir sicher bin, dass die kommenden zwei Wochen einige Antworten bereithalten werden, versuche ich alte Dinge, Personen und Unwahrheiten, die ich mir seit Jahren erzähle, loszulassen. An einem Tag mehr, an einem anderen weniger. Denn ich muss ja die Balance im Jenga-Turm aufrechterhalten. Ihn so lange austricksen, bis er stabil steht. Auch ohne das ein oder andere Teil des ursprünglichen Gesamtkonstruktes. 

 

Ich lerne gerade, dass Loslassen ganz viel mit Kontrollabgabe zu tun hat. Denn man kann nicht immer selbst entscheiden, wann man loslassen muss. Und gleichzeitig hat man doch die Kontrolle darüber, inwieweit man sich wirklich dafür entscheidet. Loslassen passiert nicht unbedingt aus dem eigenen Wunsch heraus, aber ist doch eine aktive Handlung. Ist das befreiende Loslassen da zu finden, wo Kontrollabgabe und Selbstkontrolle sich die Waage halten? Ist wie immer Balance die Lösung? “You cannot always control what goes on outside. But you can always control what goes on inside.” – Wayne Dyer